Grundsatzprogramm der BAGLS

Liebe BAGLS-Interessierten,

Wir haben am 14. Mai 2018 dieses Grundprogramm beschlossen. Das wurde notwendig, um unser Profil zu stärken und zu klären, wofür wir uns genau einsetzen: Eine Hochschule, die weiter denkt als in Campusgrenzen, die gesellschaftliche, soziale, ökologische und auch ökonomische Herausforderungen effektiv angeht.

Umsetzen wollen wir unsere Ziele in Gremien und außerhalb dieser – z.B. durch direkte Gespräche mit Verantwortlichen. Auch als Studierendenvertretung wollen wir uns nicht nur auf den Campus beschränken, dort können nicht alle Schwierigkeiten gelöst werden. Wir wollen uns vielmehr auch in die Kommunalpolitik einbringen und uns darüber hinaus bayern- und deutschlandweit vernetzen und so auch die Bedingungen der Politik für Studierende mitgestalten.

Sozial faire Universität

Wir setzen uns dafür ein, dass alle Menschen unabhängig von ihrer Herkunft, Hautfarbe, Religion, Weltanschauung, ökonomischer Situation, ihres Geschlechts, ihrer sexuellen Orientierung oder anderen, individuellen Besonderheit eine gleiche Chance auf Erfolg an der Universität und in der Gesellschaft haben. Bildung ist in unserer Gesellschaft oft der Schlüssel zum Erfolg. Doch leider ist der Zugang hierzu nicht ausreichend gerecht verteilt.

Studienfinanzierung, -gebühren und Nebenjobs

Viele Studierende aus finanziell schwachem Hintergrund sind auf das BaFöG angewiesen.

Wir setzen uns für eine Reform der Studienfinanzierung ein: Statt immer mehr auf Begabten- und Elitenförderung zu setzen muss mit dem BaFöG die Breitenförderung erneuert werden. Der Satz muss an lokale Mietpreise und gestiegenen Preise für Lehrmaterialien angepasst werden, Studienbeiträge, auch das Semesterticket, müssen übernommen werden und eine Grundfinanzierung eltern- und familienunabhängig gegeben sein. Außerdem muss BaFöG bis zur Höchststudiendauer bewilligt werden, um den verschiedenen Zeitansprüchen der unterschiedlichen Studiengänge gerecht zu werden. Der BaFöG-Antrag muss zudem zeitnah bearbeitet werden, was ausreichend Personal im BAFöG-Amt voraussetzt.

Studiengebühren, egal für wen, lehnen wir ab.

Die Mehrheit der Studierende arbeiten zur Finanzierung des Studiums in Nebenjobs. Dies nimmt mitunter viel Kapazität in Anspruch, die sonst in das Studium gesteckt werden kann. Um es diesen Studierenden zu erleichtern fordern wir den Ausbau flexibler Online-Kurse (vhb) und den aktiven Einsatz gegen Anwesenheitspflichten und indirekten Anwesenheitszwang. Praktikant*innen an der Universität erledigen oft die selben Aufgaben wie Hiwis, daher sollen sie auch so bezahlt werden. Hiwis sollen besser über ihre Rechte informiert werden, so dass sie sich auch für diese einsetzen können. Außerdem braucht es endlich Tarifverträge für Hiwis.

 Bezahlbarer Wohnraum

Ein großer Kostenfaktor im Studium ist die Miete. Es werden immer mehr private Wohnheime gebaut, die durch Profitorientierung hohe Mieten verlangen. Für WGs und Einzelwohnungen treibt die Gentrifizierung die Preise in die Höhe und vertreibt Studierende aus ihrer Bleibe. Dem muss durch eine gute soziale Wohnraumpolitik entgegengewirkt werden, das Studierendenwerk muss mehr Wohnheime bauen und günstig vermieten und insgesamt mehr sozialverträglicher Wohnraum in Bamberg erschlossen werden – z.B. im Zuge der Konversion in Bamberg Ost. Auch setzen wir uns für die Erhöhung der Sozialquote und für ein Ende der zeitlichen Begrenzung dieser ein. Wohnheime müssen auch angenehm gestaltet werden, durch ausreichend Gemeinschaftsflächen, wohnliche Zimmer und eine mit dem ÖPNV erschlossene Lage.

Ausreichende Beratungsangebote

Allgemein müssen die Beratungsangebote ausgebaut werden, damit sie den individuellen Bedürfnissen gerecht werden können. Langen Wartezeiten bei der psychosozialen Beratungsstelle muss durch mehr Personal entgegengewirkt werden. Die Beratungsstellen sollte während den EETs schon an prominenter Stelle vorgestellt werden und der Zugang erleichtert werden – auch durch neue niederschwellige Formate wie z.B. „Beratung im Foyer“ und durch leicht auffindbare, barrierefreie Büroräume. Dafür bedarf es auch mehr Unterstützung der Studierendenwerke durch die Landes- und Bundespolitik.

Studierende mit Migrationshintergrund

Personen mit Migrationshintergrund sind an der Universität immer noch systematisch unterrepräsentiert. Wir Sozial faire Universität

Wir setzen uns dafür ein, dass alle Menschen unabhängig von ihrer Herkunft, Hautfarbe, Religion, Weltanschauung, ökonomischer Situation, ihres Geschlechts, ihrer sexuellen Orientierung oder anderen, individuellen Besonderheit eine gleiche Chance auf Erfolg an der Universität und in der Gesellschaft haben. Bildung ist in unserer Gesellschaft oft der Schlüssel zum Erfolg. Doch leider ist der Zugang hierzu nicht ausreichend gerecht verteilt.

Faire Arbeitsbedingungen

Die Universität und das Studierendenwerk bietet vielen Personen Arbeit, von Professor*innen und wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen, Verwaltungsangestellten bis zu Reinigungskräften. Die Arbeitsbedingungen an der Universität und beim Studierendenwerk müssen geprüft und möglichst sichere Festanstellungen mit fairer Bezahlung gewährleistet werden. Wir fordern bedingungslose Chancen- und Lohngleichheit für an der Universität beschäftigte Frauen* und Männer* ein. Außerdem fordern wir, dass die Universität keine unsozialen Beschäftigungsverhältnisse fördert. Jobs sollen nach Möglichkeit nicht an externe Dienstleistungsunternehmen outgesourct werden. Diese sind für prekäre Arbeitsbedingungen und schlechte Löhne bekannt.

Globale Gerechtigkeit

Soziale Gerechtigkeit muss auch global betrachtet werden, wobei der Bildungsexport dabei Großes bewirken kann. Die Universität kann auch hier aktiv werden, wie das Angebot des Studiengangs „Educational Quality in Developing Countries“ zeigt. Wir wollen eine Erweiterung des Angebots möglichst kostenfrei für Teilnehmer*innen. Studierenden aus dem Ausland muss zudem der Zugang zur Hochschule erleichtert werden, das führt zu mehr kulturellem Verständnis, was wiederum in der Berufswelt unserer Absolvent*innen immer wichtiger wird und Verständnis und Frieden sichert. Konkret kann das durch geringere Sprachhürden, weitere Internationalisierung und ein ausreichendes Angebot an Beratungsmöglichkeiten geschehen.

Produkte, die an der Uni angeboten werden und aus Entwicklungsländern stammen, müssen faire Handelsstandards erfüllen. In dem Zuge befürworten wir auch die Initiative, die Uni Bamberg als Fairtrade-Universität zu zertifizieren.

Umweltschutz

Angesichts großer Herausforderungen in der Klima- und Umweltpolitik wollen wir auf allen möglichen Ebenen den Schutz unserer Lebensgrundlage sichern.

Nachhaltige Beschaffung

Wir wollen für diversen Beschaffungen der Universität eine Einkaufsrichtlinie erarbeiten, nach der Beschaffungen ausgeschrieben werden. Diese sollte insbesondere soziale und ökologische Standards festschreiben. So wollen wir erreichen, dass Materialien energiesparender und langlebiger sind, einen höheren Recyclinganteil aufweisen und aus fairem Handel und biologischer Erzeugung stammen. Auch können damit arbeitsrechtliche Standards erwirkt werden.

Abfallmanagement

Wir setzen uns dafür ein, dass an der Uni Ressourcen geschont werden. Primär soll versucht werden, Abfall zu vermeiden, indem man zu mehr Papiersparen anregt und in den Mensen/Cafeterien auf Verpackungen verzichtet. Abfall, der nicht vermieden werden kann, soll wiederverwendet werden, z.B. Papier zu Schmierzetteln geschnitten werden. Wo dies Alles nicht möglich ist setzen wir uns für eine effiziente Mülltrennung ein, um den Recyclinganteil an der Universität zu erhöhen. In den Gebäuden und im Freien braucht es dafür Abfallbehältnisse für verschiedene Wertstoffe und Restmüll.

Erneuerbare Energien

Die Universität bezieht bereits Strom aus erneuerbaren Quellen. Das ist aber kein Freipass, beliebig viel Strom zu verbrauchen. Wir wollen effiziente Stromsparmaßnahmen an der Uni Bamberg anstoßen, sowohl technischer als auch sozialer Art. Neu angeschaffte Geräte und Leuchtmittel sollen energiesparender & langlebiger sein, Licht könnte durch Bewegungsmelder effizienter gesteuert werden, Klimaanlagen auf ein ausreichendes Maß beschränkt werden. Zusätzlich befürworten wir Aufklärungsarbeit auf Seiten der Studierenden und Angestellten.

Die Universität und das Studierendenwerk haben in Bamberg verschiedene Gebäude, die sich durch ihre Lage und Dachneigung für Photovoltaik-Anlagen eignen. Wir wollen Machbarkeitsstudien für verschiedene Standorte anregen. Denkbar sind auch Finanzierungsmodelle durch Mikrokredite seitens Uni-Angehöriger.

Die Wärme für Heizungen an der Universität soll vermehrt auch aus nachhaltigen Quellen stammen. Fernwärme aus Industrie und Kraftwerken kann sinnvoll sein. Andererseits muss auch der Wärmeverlust reduziert werden, indem z.B. Gebäude besser isoliert werden und Heizungen bedarfsgerecht nach Uhrzeit und Personenfrequenz heizen.

Umweltschonende Mobilität

Mobilität wird durch den Wandel der Anforderungen im Studium und in der Arbeitswelt immer wichtiger. Daher muss Mobilität schadstofffrei gedacht werden. Wir wünschen uns ein erweitertes optionales Semesterticket, mit dem Studierende günstiger mit dem Zug in die Uni kommen als mit dem Auto. Weiterhin sollte der ÖPNV bedarfsgerecht erweitert werden, insbesondere in anliegende Gemeinden und am Abend.

Wir wünschen uns ein fahrradfreundliches Bamberg, in dem Fahrradwege und Stellplätze weiterhin ausgebaut werden. Der Individualverkehr muss nachhaltig verändert werden, Bike- und Carsharing Projekte sollten gefördert und die einzelnen Verkehrsmittel intelligent vernetzt werden. An der Uni brauch es Elektrotankstellen und auch die Fahrzeuge der Universität sollen schadstofffrei sein.

Nachhaltige Mensen & Cafeterien

Für die Mensen und Cafeterien wünschen wir uns ein ökologisches, nachhaltiges und gesundes Angebot. Hier bieten sich regionale und saisonale Produkte an, die umweltverträglich hergestellt wurden. Global betrachtet muss auch auf ein fair gehandeltes Angebot umgestellt werden. Für Fleisch- und Fischgerichte fordern wir eine Politik der Qualität statt Quantität. Hier wünschen wir uns Standards wie zum Beispiel ein Bio- oder Tierwohllabel und eine Beschränkung auf nicht bedrohte Arten. Um dennoch sozialverträgliche Preise garantieren zu können müssen vermehrt vegetarische und vegane Speisen angeboten werden, die ggf. eine Subventionierung der hochwertigen Fleisch- und Fischprodukte erlauben. Allgemein sollte es jeden Tag eine warme, vegane Option in den Mensen und eine vegetarische und eine vegane Option in den Cafeterien geben.

Bei der Verpackung von Lebensmitteln sehen wir noch Verbesserungspotential und fordern den weitest möglichen Verzicht auf diese.

Lebensfreundlicher Campus

Wir wollen die Gelände der Universität möglichst lebensfreundlich gestalten. Verschiedene Pflanzen- und Bodenarten sollen hierzu einen Lebensraum für diverse Tiere, von Amseln bis Zweiflüglern, bieten. Dächer können begrünt, Bäume erhalten bzw. gepflanzt und ungenutzte Flächen umgestaltet werden. Beton- und Rasenwüsten können diversifiziert und freundlicher werden.

Auch für den Menschen soll der Campus anregend gestaltet werden. Es sollten vermehrt Lern- und Lehrgelegenheiten im Grünen geschaffen werden. Der ökologische Bildung mit dem Ziel, die Natur wertzuschätzen, soll unterstützt werden. Konkret können das z.B. Urban-Gardening Projekte, Lehrveranstaltungen und das Aufstellen von Info-Tafeln sein.

Toleranz und Vielfalt

Wir setzen uns dafür ein, dass alle Menschen unabhängig von ihrer Herkunft, Hautfarbe, Religion, Weltanschauung, ökonomischer Situation, ihres Geschlechts, ihrer sexuellen Orientierung oder anderen, individuellen Besonderheit eine gleiche Chance auf Erfolg an der Universität und in der Gesellschaft haben.

Gender und Diversity

Um obig genanntes Ziel zu erreichen wollen wir an mehreren Fronten ansetzen. Um Diskriminierung zu unterbinden wollen wir einerseits Bewusstsein für diese schaffen, z.B. durch Studien, Gender-Forschung, Informationskampagnen, und andererseits darauf hinwirken dass sie beseitigt werden, z.B. bei der vorhandenen Differenz von Professor*innen in unterschiedlichen Besoldungsklassen nach Geschlecht.

Die Posten der Frauenbeauftragten der Universität sollen ohne Mittel- und Einflussverluste mit den vorhandenen Gleichstellungsbeauftragten zu Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten zusammengelegt werden. Wir setzen uns besonders gegen Sexismus im Umgang miteinander ein und unterstützen die Verwendung genderneutraler Sprache im universitären Kontext und in Veröffentlichungen der Universität Bamberg. Im Zuge dessen fordern wir auch eine Umbenennung des Studentenwerk Würzburg in „Studierendenwerk“, um alle Studierenden anzusprechen.

Außerdem wollen wir für Probleme von Menschen mit nicht dichotomem Geschlecht sensibilisieren und diese wo möglich beheben, u.A. durch den Einsatz für geschlechtsneutrale Sprache und genderunabhängige Toiletten.

Antifaschismus und Antirassismus

Wir werden mit allen uns zur Verfügung stehenden, gewaltfreien und rechtsstaatliche Mitteln versuchen, Rassismus und Faschismus entgegenzutreten. Dazu wollen wir Bündnissen beitreten um so bei auftretenden faschistischen und rassistischen Tendenzen starke Opposition bieten zu können. Wir wollen zudem, dass die Uni und die Studierendenvertretung, soweit es im jeweiligen Aufgabenbereich liegt, klar Stellung gegen solche Tendenzen beziehen.

Auch stellen wir uns gegen elitäre Gruppierungen, wie z.B. Burschenschaften.

Familienfreundlichkeit

Wir wollen die Familienfreundlichkeit der Universität stärken. Dazu wollen wir, dass man*frau die Kinder einfach mitnehmen kann. Günstige Kinderportionen in den Mensen gibt es bereits, aber auch eine Spielecke wäre denkbar. Zudem wollen wir den Ausbau der Kinderbetreuung, so dass jede*r Studierende und jede*r Dozierende, die einen Kita-Platz benötigen, diesen auch bekommen und die Betreuung der Kinder von ausreichend viel und gut qualifiziertem Personal geschieht.

Personen mit Beeinträchtigung

Wir streben an, Beeinträchtigungen von Seiten der Universität zu verringern. Dazu setzen wir uns für barrierefreie Bildungsangebote ein. So sollen alle Veranstaltungsorte auch für Alle zugänglich sein, Dokumente und Formulare barrierefrei erstellt werden und für Dozierende soll es mehr spezielle Weiterbildungsangebote zu barrierefreier Lehre geben.

Es gibt einen Behindertenbeauftragten, jedoch sind viele Studierende nicht über ihre Möglichkeiten in puncto Nachteilsausgleich und Schwerbehinderung informiert. Deshalb fordern wir mehr Informationen über diese Möglichkeiten (z.B. Info-Veranstaltungen). Auch dürften betroffene Menschen Angst vor Stigmatisierung haben. Wir wollen uns daher für Toleranz gegenüber eingeschränkten Personen einsetzen.

Sekuläre Hochschule

Wir wollen, dass sich alle Personen unabhängig von ihrer Weltanschauung und Religion an der Universität wohlfühlen. Um dies zu verstärken setzen wir uns dafür ein, die Universität als Institution so weltlich wie möglich zu gestalten. Allen Religionen kann man als Uni nicht gerecht werden, daher wollen wir die Religion jeder*m selbst überlassen. Religiöse Symbole in öffentlichen Uni-Räumen wollen wir abhängen und den Einfluss religiöser Institutionen auf die universitäre Lehre evaluieren.

Lehre und Studium

Selbstbestimmtes Studium

Die Studierendenschaft ist vielfältig – und damit die Anforderungen an das Studium unterschiedlich. Der Uni-Alltag sollte Allen gerecht werden, so dass jede*r das eigene Studium so gestalten kann wie es persönlich am Besten passt. Dazu gehört, dass man die eigene Zeit frei einteilen kann und nicht durch Anwesenheitspflichten in einem bestimmten Tagesablauf festgeschrieben ist. Auch die Unterstützung von Gasthörer*innen ist uns wichtig.

Jeder Mensch lernt anders. Daher wollen wir, dass die verschiedenen Lernmethoden unterstützt werden. Das geschieht z.B. dadurch, dass man sowohl Online- als auch Präsenzkurse anbietet und Prüfungsformate variieren. Auch müssen die benötigten Lernmaterialien online und ausreichend Literatur als E-Book und in den Bibliotheken vorhanden sein. Wir begrüßen, dass Bibliotheken nun teilweise 24 h geöffnet haben.

Studieren aus Interesse

Das Studium sollte aus intrinsischer Motivation heraus geschehen, das Interesse am Studiengebiet kommt dann besonders durch engagierte Dozent*innen, die gute Lehre machen und entsprechende Weiterbildungen besucht haben, und eine freie Wahl eigener Kurse und Schwerpunkte. Dies trägt zu mehr Interesse, einem tieferen Verstehen und Selbstverwirklichung der Studierenden bei.

Studium zu mündigen Bürger*innen

Studieren, lediglich um später ausreichend Arbeitskräfte für die Wirtschaft zu haben, darf nicht das Bildungsziel einer Universität sein. Sie sollte vielmehr mündige, weitsichtige Bürger*innen bilden, die bereit sind in der Gesellschaft Verantwortung zu übernehmen. Dafür halten wir den Erwerb von Softskills und einen gewissen Weitblick, z.B. durch das Studium Generale und fachübergreifende Projekte, für notwendig. Es muss außerdem neben dem Studium genug Zeit bleiben, um ehrenamtlichen Tätigkeiten nachzugehen.

Offener Zugang zum Studium

Wir befürworten den Einsatz der Universitätsleitung, den Zugang zu Studienfächern zu erleichtern, wie z.B. bei KoWi, und langfristig auf eine Universität ohne NCs hinzuarbeiten. Jede*r soll sich frei für ein Studium der eigenen Wahl entscheiden können und es sollte ausreichend Kapazitäten für Alle geben. Vorübergehend sollte aber eine Balance bewahrt werden. Sprunghaft steigende Studierendenzahlen fallen zulasten der Lehre, treiben die Preise auf dem Wohnungsmarkt in die Höhe und sprengen die Kapazitäten der Uni-Gebäude. Wir fordern deshalb eine nachhaltige und qualitative Entwicklung der Universität.

Forschung im Dienste der Wissenschaft und Gesellschaft

Transparente und freie Wissenschaft

Die Universität ist idealerweise ein Ort, an dem frei und ergebnisoffen mit verschiedenen Methoden zur wissenschaftlichen Erkenntnis und der gesellschaftlichen Weiterentwicklung geforscht wird. Eine Einflussnahme durch Dritte auf die Forschung sollte es nicht geben. Um dafür Transparenz zu schaffen, sollen Drittmittelgebende für Forschungsprojekte offengelegt werden. Zudem wäre es denkbar, verpflichtend in Publikationen eine Erklärung zu Interessenskonflikten der Forschenden einzufordern.

Friedliche & zukunftsorientierte Forschung

Forschung an zivilen Universitäten sollte zudem zivilen und friedlichen Zwecken dienen, für militärische Forschung gibt es gesonderte Forschungsinstitutionen und Universitäten. Daher begrüßen wir es, eine Zivilklausel an der Universität Bamberg zu verankern.

Forschung kann zudem gesellschaftliche Veränderungen anstoßen und weiterbringen. Wir wünschen uns, dass gezielt auch an Zukunftsfragen geforscht wird, die ein nachhaltiges, sozial gerechtes, friedliches und freies Leben ermöglichen.

Staatliche Finanzierung statt Drittmittel

Insgesamt fordern wir, dass die Universitäten mehr durch Grundmittel finanziert werden. Einerseits besteht durch Drittmittel aus der freien Wirtschaft die Gefahr der Einflussnahme auf die Forschung, andererseits gehen viele Ressourcen durch den Wettbewerb um Zweit- und Drittmittel verloren. Professor*innen müssen vermehrt Anträge schreiben anstatt forschen oder lehren zu können und kleinere, nicht direkt wirtschaftsrelevante Forschungsgebiete gehen oft leer aus.

Demokratische Hochschule

Transparente, paritätische Selbstverwaltung

An der Universität sind viele Interessensgruppen vertreten. Wir sind der Meinung, dass die verschiedenen Standpunkte und Anliegen möglichst demokratisch im Gespräch verhandelt werden sollen. Um das zu erreichen, braucht es eine angemessene Repräsentanz aller Beteiligter in entsprechenden Gremien. Momentan sind in wichtigen Gremien teilweise gar keine Studierenden vertreten (z.B. erweiterte Uni-Leitung) oder haben nur ein marginales Stimmgewicht (z.B. Senat, Universitätsrat). Wir setzen uns für eine Viertelparität ein, so dass Gremien zu gleichen Teilen aus Professorium, Mittelbau, Studierenden und nicht-akademischen Mitarbeitenden bestehen. Wichtige Entscheidungen sollen publik gemacht werden und bedeutende Gremien öffentlich tagen, um den Entscheidungsfindungsprozess nachvollziehen zu können. Finanzielle Zuweisungen sollen öffentlich einsehbar sein. Es soll zudem eine*n studentische*n Vizepräsident*in an der Uni Bamberg geben.

Verfasste Studierendenschaft

Wir unterstützen die Einführung der verfassten Studierendenschaft mit allgemeinpolitischem Mandat in Bayern, um die Arbeit der Studierendenvertretung rechtlich klar und einfacher zu ermöglichen. So haben Studierende mehr Einfluss- und Entscheidungsmöglichkeiten. Diese sind momentan systematisch unterrepräsentiert, in Entscheidungsgremien auf allen Ebenen gibt es kaum Studierende oder junge Menschen allgemein. Wichtig hierbei ist jedoch, dass durch die Einführung keine bisherigen Zuschüsse zur Arbeit der Studierendenvertretung ausgesetzt werden und sich der Beitrag zur verfassten Studierendenschaft in sozial verträglichen Grenzen hält.

Digitale Hochschule

Wir setzen uns für eine gute digitale Infrastruktur an der Universität ein. In den Vorlesungssälen und Seminarräumen muss es ausreichend Lademöglichkeiten für Laptops und Tablets geben und das WLAN und Uni-Computer müssen ausreichend schnell arbeiten.

Zudem können digitale Lehrformate die universitäre Lehre ergänzen und für Alle zugänglicher machen. Wer z.B. ein Kind betreut kann einen virtuelles Seminar einfacher und selbstbestimmter besuchen.

Der Fortschritt der Digitalisierung stellt uns jedoch auch vor neue Herausforderungen. Wir setzen uns im Zuge dessen für mehr Datenschutz und gegen Überwachung, insbesondere durch Videokameras, ein.

Studentische Kultur

Da wir in Bayern nicht über eine verfasste Studierendenschaft verfügen, müssen sich viele studentische Kulturinitiativen selber finanzieren bzw. sind auf Zuschüsse aus Soli-Töpfen anderer, nicht-bayerischer Studierendenschaften angewiesen. Wir befürworten daher – solange die VS noch nicht eingerichtet ist – eine Kulturförderung über das Studierendenwerk, wobei die Mittel von einem studentischen Gremium vergeben werden sollen. Auch befürworten wir es, neue Räume zur kulturellen Nutzung zu erschließen und diese für kulturelle Initiativen und studentische Gruppen bereitzustellen.

Wir sprechen uns gegen die Sperrstunde in Bamberg aus, da sie das Erleben von Kultur in Bamberg besonders unter der Woche einschränkt. Kultureinrichtungen können sich Veranstaltungen unter der Woche schwer leisten.

Um all diese Ziele umsetzen zu können, brauchen wir deine Unterstützung. Gerne kannst du in Person zu einem unserer Treffen kommen, uns bei Hochschulwahlen wählen und mit und über uns sprechen. Gemeinsam bekommen wir die Uni dann in eine nachhaltige, zukunftsorientierte und sozial verträgliche Schiene!